Die Reise nach Jerusalem

Reisebericht über eine Gemeindefahrt nach Jerusalem und Bethlehem vom 15.-25.05.2008

"Danke, dass ihr gekommen seid!" Diesen Satz hörten wir nicht nur einmal. Wir, das war eine Gruppe von acht Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde Grafing, die zusammen mit Pfarrer Kajnath und seiner Frau für zehn Tage Israel bereist hat. Selbstverständlich haben auch wir wie jeder Jerualembesucher die heiligen Stätten aufgesucht. Vom Saal des letzten Abendmahls bis hinauf zum ölberg sind wir gegangen, von der West-Mauer zur Grabeskirche mit all ihrer Vielfalt an Konfessionen.

Doch der Dank für unser Kommen wurde vor allem von den christlichen Palästinensern ausgesprochen, denen wir geplant oder zufällig begegnet sind. Bewusst hatten wir drei übernachtungen in Bethlehem geplant. Dorthin zu gelangen bedeutete, von Jerusalem ein Taxi zum Checkpoint zu nehmen, die Kontrollen zu durchlaufen, auf der anderen Seite der acht Meter hohen Mauer in ein anderes Taxi zu steigen, um in die Unterkunft zu gelangen. Für uns mit deutschen Pass ein lästiges aber unproblematisches Unternehmen, für 2500 Palästinenser aus Bethlehem, die in Jerusalem einen Job haben, eine tägliche Belastung: öffnet der Checkpoint pünktlich? öffnen genügend Schalter? Ist die Arbeitsgenehmigung vollständig? Muss ich meine Hand in das Handlesegerät legen und erkennt es meine Hand? Aus Angst vor der Verzögerung bei der Abfertigung finden sich viele bereits um 5.00 Uhr früh am Checkpoint ein.

Wir trafen auch Vertreterinnen von EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel). Sie unterstützen Palästinenser z.B. an den Checkpoints und bei den Verhandlungen mit israelischen Behörden, zeigen Solidarität mit Israelis und Palästinensern bei gewaltfreien Aktionen und betreiben öffentlichkeitsarbeit. Wir hörten Saras Bericht über die Arbeit vom ICAHD (Israeli Committee Against House Demolition), ebenfalls ein Programm des Weltkirchenrats, wir sahen sinnlos zerstörte Häuser und trafen Menschen im Flüchtlingslager.

Wir erlebten tiefe Religiosität, aus der Menschen Kraft schöpfen, mit ihrer täglichen frustrierenden Situation zu leben und wir hörten immer wieder von kleinen Wundern, die es engagierten Christen ermöglichen, ihre Arbeit für die Menschen dort fortzusetzen, sei es in einer Schule oder einer Gemeinde, mit Jugendlichen oder als Aktive in einer Organisation. "Erzählt von uns bei euch zu Hause und kommt wieder! Aber heute erst einmal danke, dass ihr nicht nur für Stunden sondern für einige Tage gekommen seid!"

Gisela Schindler

Einkauf vor Beginn des Sabbat auf dem Mahane Yehuda Markt in der Jerusalemer Neustadt
 

Idyllischer Blick von unserem Quartier (Lutheran Hostel) auf die Erlöserkirche, Grabeskirche, eine Moschee und das lateinische Patriarchat
 

Nur wenige Meter weiter: Jüdische Siedler sitzen schwer bewacht auf den Dächern des arabischen Souks
 

Treffen mit einer Mitarbeiterin des ökumenischen Begleitprogramms in Israel und Palästina. Sie führt uns in die politische Situation des Landes ein und erläutert die Ziele ihrer Organisation.
 

Treppe ausserhalb des Damaskustores: Lebhaftes Zentrum von Ostjerusalem
 

Die Klagemauer - Gebetsstätte für Juden aus aller Welt
 

Moslemische Frauen im Schatten des Felsendomes - dem dritthöchsten Heiligtum des Islam
 

Christen aus aller Welt kommen zum Gebet in die Grabeskirche
 

Selbstbewusst thront die israelische Flagge über einem Haus auf dem ölberg. Israelis feiern so die Wiedervereinigung Jerusalems im Jahr 1967. Für Palästinenser der Beginn einer mehr als 40-jährigen Besetzung ihres Landes
 

Wir besuchen die Holocaustgedenkstätte "Jad wa Schem"
 

Ausflug an den tiefsten Punkt der Erde: die jüdische Festung Massada am Toten Meer
 

Natürlich darf ein Bad im Toten Meer nicht fehlen
 

Die Höhlen von Qumran: Fundort bedeutender Bibelschriften
 

Mit der Organisation ICAHD (Israelis gegen Hauszerstörungen) sind wir in Ostjerusalem unterwegs. Hier trennt der sogenannte "Sicherheitszaun" nicht Israelis von Palästinensern, sondern palästinensische Familien und Nachbarn von einander.
 

"Sie kommen morgens, wenn die Männer schon in der Arbeit sind, umstellen das Haus und geben uns 1 Stunde Zeit zur Räumung. Dann reissen die Bulldozer das Haus ein…" Ca. 300-400 angeblich illegal errichtete palästinensische Häuser werden jährlich von Israel zerstört.
 

Besuch der größten israelischen Siedlung Maale Adumim mit ca. 30.000 Einwohnern. Sattes Grün inmitten der judäischen Wüste. Die Siedlung steht auf besetztem Gebiet, soll weiter ausgebaut werden und trennt die Westbank in 2 Teile.
 

Mit einem letzten Gang durch den Souk endet unser Besuch in Jerusalem
 

Checkpoint Bethlehem, 6:00 morgens. Tausende von Palästinensern warten täglich etwa 1-2 Stunden um zur Arbeit nach Israel zu kommen.
 

Bei einer Arbeitslosigkeit von ca. 60% sind Arbeitserlaubnisse sehr begehrt. 70% der Bewohner in Bethlehem und Umgebung leben unterhalb der Armutsgrenze
 

Von Israel als "Sicherheitszaun" errichtet, zerschneidet die Mauer in Bethlehem den historischen Ort
 

Alex Awad, Lehrer am Bethlehem Bible College, stellt uns den arabisch-israelischen Konflikt aus palästinensischer Sicht dar
 

Eingang zum Aida Flüchtlingslager mit ca. 4.700 Bewohnern. Sie mussten bei der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 ihre Heimatdörfer verlassen. Der Schlüssel ist bis heute Symbol ihrer ungelösten Situation
 

Jugendarbeit im Flüchtlingslager Aida. Viel freies Land ging durch den Mauerbau verloren - so bleibt oft nur noch der PC als Freizeitbeschäftigung.
 

Von dem im UN-Teilungsplan 1948 zugedachten Land bleibt dem palästinensischen Volk heute nur ein nicht lebensfähiges Restland, das einem Schweizer Käse gleicht (vgl. die grünen Gebiete)
 

Besuch einer evangelischen Schule in Hebron, das bis auf ca. 500 jüdische Siedler rein moslemisch ist. Die christliche Schule wird wegen ihres Umgangs und Verhalten den Schülern gegenüber dennoch sehr geschätzt.
 

Gehörlose Kinder werden darin unterrichtet das Sprechen zu lernen.
 

Besuch bei Daoud Nasser, dessen direkter Zugang zu seinem Land mit Erdwällen und Steinblöcken von Israel blockiert wird.
 

Er kämpft seit Jahren um seinen Besitz, während ihn von 3 Seiten die jüdischen Siedlungen umgeben, errichtet auf besetztem, palästinensischem Gebiet. Uns beeindruckt, wie er diese Situation in positive Energie umsetzt und sein Land zum Begegnungszentrum für Jugendliche ausbaut.
 

Am Schluss unserer Reise erholen wir uns am Strand von Netanya.
 

Am Samstagvormittag besuchen wir den Gottesdienst der messianischen Gemeinde Beth Asaph.
 

…und genießen anschließend mit dem Gemeindeleiter Evan Thomas die vorzügliche Küche des Nahen Ostens
 

Nach reich gefüllten Tagen nehmen wir mit vielen Eindrücken bereichert Abschied von diesem faszinierenden und spannungsreichen Land und seinen Menschen
 

 

Photos: Axel Kajnath, Ernst Heckel, Gisela Schindler

Text: Axel Kajnath