3.Brief aus Bethlehem, 20.09.2009:

Die Israelischen Siedlungen um Bethlehem

"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? "
                                                                                      Psalm 121,1

Jeden Morgen trete ich an mein Fenster und genieße den Blick auf die gegenüberliegende Ortschaft Beit Jala. Morgens ist sie in das Licht der aufgehenden Sonne getaucht und am Abend geht sie glutrot hinter ihr unter.

Blick aus Fenster auf die Siedlung Gilo

Blick aus Fenster auf die Siedlung Gilo

Wenn ich dabei meinen Blick von rechts nach links gleiten lassen, fällt er -wo auch immer ich hinblicke- auf israelische Siedlungen, die sich wie eine Kette um bzw. über Bethlehem und Beit Jala herum aufreihen. Auf dem ersten Bild ist das deutlich zu sehen. Am rechten Rand steht der Kirchturm, der zu einem Konvent italienischer Schwestern gehört. Vom Minarett am linken Rand wurde während des Fastenmonats Ramadan täglich der Nachtgottesdienst über Lautsprecher in die ganze Umgebung übertragen. Und alles überragen die Wohnblöcke der israelischen Siedlung Har Gilo. Eine ganz eigene Art von "Trinität", wie ich finde (Bild 1). Diese Siedlung wurde bereits in den 70-Jahren auf Land errichtet, das den Bewohnern von Beit Jala gehört. Heute hat sie rund 30.000 Bewohner.

Wenn ich von Gilo im Norden beginnend langsam nach Süden blicke, sehe ich, dass alle Hügelkuppen über Beit Jala mit israelischen Funkstationen besetzt sind. Wie mag da wohl der oben zitierte Psalmvers auf die palästinensischen Bürgerinnen und Bürger wirken?

Im Regierungsbezirk Bethlehem (ca. 650 qkm) mit seinen rund 180.000 Bewohnern liegen etwa 20 israelische Siedlungen, die von rund 47.000 Siedlern bewohnt werden. Sie besetzen damit etwa 1/3 der Grundfläche dieses Bezirkes.

Die beiden Orte Bethlehem und Beit Jala sind mittlerweile bereits von drei Seiten von einem regelrechten Siedlungsring umgeben. Er schneidet die beiden Orte von ihren direkten Nachbarorten Hebron und Jerusalem ab und nimmt ihnen zugleich jegliche Möglichkeit zu weiterer Entfaltung. Die Region Bethlehem droht zu einem großen Freiluftgefängnis zu werden. Die Aus- und Eingänge dazu werden mit Hilfe von checkpoints durch israelische Sicherheitskräfte kontrolliert.

Die einzelnen Siedlungen sind mit sog. Siedlerstraßen an das Kernland Israel, in dem Fall an Jerusalem, direkt angebunden. Palästinensische Bürger dürfen sie nur mit Genehmigung benutzen. Eine große Brücke überspannt deshalb das Tal vor Beit Jala (Bild 2). Diese Straßen haben in der gesamten Westbank mittlerweile eine Länge von rund 1.600 Km.

Blick vom Tal auf Gilo

Blick vom Tal auf Gilo

Alle Siedlungen oder Funkstationen entstehen bevorzugt an strategisch wichtigen Punkten: auf Bergkuppen und über großen unterirdischen Wasservorräten. Dadurch wird die Kontrolle über die gesamte Region und über deren Ressourcen gewährleistet. In unmittelbarer Nähe von Siedlungen befindet sich deshalb zumeist auch ein israelischer Militärposten.

Die Motivation jüdischer Siedler ist zum einen religiös begründet. Dies trifft z.B. auf die radikalen Siedler in Hebron zu, die ihr Recht hier zu wohnen auf die Bibel zurückführen. So geschieht das auch bei manchen Siedlungen in "Judäa und Samaria", wie die Siedler diese Region Palästinas bezeichnen. Sie betonen damit ihr überkommenes Recht, diesen alten biblischen Boden wieder zu besiedeln.

Der größere Teil der Menschen aber, die etwa in den großen Siedlungen um Jerusalem herum wohnen (Gilo, Har Homa, Maale Adumim), tut dies aus wirtschaftlichen Gründen. Die Bewohner dieser Siedlungen erhalten hohe Steuererleichterungen bzw. günstige Kredite zum Erwerb von Wohneigentum. Zugleich verfügen sie über eine sehr gute Infrastruktur (Schulen, Freizeitmöglichkeiten, Sozialprogramme), was vor allem für junge Familien attraktiv ist.

All diese Siedlungen liegen jenseits der sog. "Grünen Linie", der international anerkannten Waffenstillstandslinie des Jahres 1949. Um sie dennoch errichten zu können, wurde palästinensisches Land zu "Staatsland" erklärt und konfisziert. Bereits während seiner ersten Amtszeit Ende der 90-Jahre hat Benjamin Netanjahu diesen Siedlungsbau immens vorangetrieben.

Das dritte Bild zeigt, wie dabei vorgegangen wird. Trotz heftiger Proteste aus Bethlehem und von verschiedenen palästinensischen und israelischen Bürgerrechtsbewegungen wurde Ende der 90-Jahre der Hügel Abu Ghneim, der zu Beit Sahour gehört, abgeholzt und mit dessen Bebauung begonnen (Bild 3). Mittlerweile ist darauf eine groß ausgebaute Siedlung unmittelbar vor den Toren Jerusalems entstanden, die in den kommenden Jahren ebenfalls 30.000 Bewohner haben soll. Jerusalem umgibt sich sozusagen mit einem Gürtel von Siedlungen, um sich gegen die arabische Umgebung abzuriegeln.

Har Homa seit 1999

Har Homa seit 1999

Obwohl alle Siedlungen auf palästinensischem Gebiet erbaut wurden, unterliegen sie israelischem Recht und verfügen auch über eine israelische Infrastruktur. Dies führt faktisch zu einem 2-Klassensystem, das von Palästinensern wie auch israelischen Bürgerrechtsbewegungen als neue Form von Apartheid verstanden wird.

Diese Siedlungen sind ein klarer Verstoß gegen Artikel 49 der IV. Genfer Konvention, der besagt, dass "keine Teile der eigenen Zivilbevölkerung in besetztes Gebiet gebracht werden dürfen". Die UN hat u.a. in ihrer Resolution 452 aus dem Jahr 1979 Israel aufgefordert, "die weitere Planung und Errichtung jüdischer Siedlungen auf arabischem Gebiet zu beenden".

Der ökumenische Rat der Kirchen hat in einer Erklärung vom 7.September 2009 Israel zum sofortigen Stopp des Siedlungsbaues und zur Auflösung aller bestehenden Siedlungen aufgefordert. Zugleich ruft er zu einem Boykott derjenigen Waren und Dienstleistungen auf, die auf besetztem palästinensischem Gebiet produziert werden (www.oikumene.org).

"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?"Die momentanen zaghaften politischen Gespräche zeigen, dass es vor allem diese Siedlungen sind, die einem dauerhaften Frieden in der Region im Wege stehen.

Ich denke, um zu einem solchen Frieden zu kommen, werden beide Seiten Unterstützung von aussen brauchen. Israel durch eine klare Zusicherung in den Grenzen von 1949 in Sicherheit leben zu können. Dies hat die PLO im Jahre 1993 getan und die arabische Liga in ihrer Friedensinitiative 2002 ausdrücklich bestätigt.

Die palästinensische Seite braucht nun genauso dringend eine baldige, klare Zusage, den 1949 ebenfalls versprochenen eigenen Staat endlich zu erhalten. Ohne ihnen dabei die lange vorenthaltene Gerechtigkeit zukommen zu lassen, wird solch ein Friede nicht zu erreichen sein.

Karte der israelischen Bürgerrechtsbewegung "Betzelem", die den Siedlungsbau dokumentiert

Karte der israelischen Bürgerrechtsbewegung "Betzelem", die den Siedlungsbau dokumentiert

Originalkarte zum Herunterladen (pdf-Format): www.btselem.org


2.Brief aus Bethlehem, 20.09.2009:

Die Stadt Bethlehem und ihre Umgebung

"Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda,
aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei,
dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist."
                                                                                      Micha 5,1

Die Stadt Bethlehem liegt auf ca. 750 Meter Meereshöhe, etwa 10 Kilometer südlich von Jerusalem.

Der Name "Bethlehem" bedeutet in der hebräischen Sprache "Haus des Brotes", während es im arabischen "Haus des Fleisches" heisst. Eine dritte Herkunftsvariante verweist auf die mesopotamische Gottheit "Lachma", den Gott der Fruchtbarkeit.

Wie auch immer die genaue Herkunftsbezeichnung sein mag - allen drei Varianten gleich ist die Betonung der Fruchtbarkeit dieses Ortes sowie der gesamten Region.

Terrassenlandschaft mit Olivenbäumen

Terrassenlandschaft mit Olivenbäumen

Daran hat sich bis heute -Gott sei Dank- nicht viel geändert. Noch immer quellen die Märkte der Stadt von allen nur erdenklichen Obst- und Gemüsesorten über, die die Bauern aus der ganzen Region hier anbieten.

Bethlehem zählt etwa 30.000 Einwohner und ist mit den beiden Nachbarorten Beit Jala (ca. 15.000 Einwohner) und Beit Sahour (ebenfalls etwa so groß) mittlerweile zu einem einzigen Ballungsraum zusammengewachsen. Die drei traditionell christlich geprägten Orte (ehemals ca. 80% der Bevölkerung) haben durch die Auswanderung der Christen ihren Bevölkerungsanteil auf momentan etwa 25% verringert.

Zu den mittlerweile mehrheitlich muslimischen Nachbarn besteht traditionell ein gutes Verhältnis. Dr.Bishara Awad, Präsident des BBC, schreibt dazu:

"Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass das Verhältnis zwischen Christen und Moslems sehr gut ist. Sie sind unsere Nachbarn und behandeln uns gut. Wir sind nun seit 30 Jahren als Bible College an sehr zentraler und belebter Stelle am Ort. Direkt uns gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist seit 1948 ein Flüchtlingslager. Auf der Rückseite unserer Gebäude befindet sich -in etwa 500 Metern Entfernung- ein zweites. Alle Bewohner dieser Flüchtlingslager sind Moslems und wir wurden noch nie von ihnen, wie auch der gesamten moslemischen Gemeinde, bedrängt. Wir reichen ihnen die Hand. Sie sind uns gute Nachbarn und wir versuchen dasselbe für sie zu sein. Im Gegensatz zu all dem, was ich von auswärts höre, werden wir von den Moslems in keinster Weise bedrängt."

Das 2.Bild dokumentiert dieses Verhältnis auf seine Weise. Es zeigt das Minarett der Hauptmoschee und dahinter die Türme der Geburtskirche. Beide Gebäude liegen am Manger Square, dem Hauptplatz des Ortes.

Türme

In der Stadtordnung ist festgehalten, dass der Bürgermeister des Ortes ein Christ sein muss (z.Zt. ein linksgerichteter Katholik). In der palästinensischen Autonomiebehörde ist die Region Bethlehem paritätisch mit Christen und Moslems vertreten.

Wirtschaftlich gesehen hat die Region verschiedene Standbeine. Neben der bereits erwähnten Landwirtschaft sind es vor allem der Einzelhandel, die Tourismusbranche sowie der Abbau von Steinquadern in den großen Steinbrüchen der Umgebung.

Zusammen mit Ostjerusalem und dem nördlich davon gelegenen Ramallah bildet Bethlehem die stärkste Wirtschaftsregion der Westbank. Hier werden rund 40% der gesamten Wirtschaftskraft Palästinas erbracht. Darin enthalten sind auch die Dienstleistungen in Krankenhäusern, Schulen und den Universitäten.

Mittlerweile muss dafür aber leider die Vergangenheitsform gewählt werden, denn Bethlehem sowie die gesamte Region sind von der 40-jährigen Besatzung durch Israel und deren politischen Auswirkungen besonders hart getroffen.

Die Region Bethlehem ist heute hineingequetscht zwischen der judäischen Wüste im Osten und der israelischen Sperranlage im Westen. Die Stadt selbst ist von zahlreichen jüdischen Siedlungen geradezu umzingelt. Sie trennt die Stadt von einer direkten, jahrhunderte langen Anbindung an Jerusalem.

Die größte jüdische Siedlung, Maale Adumim mit ca. 35.000 Bewohnern im Osten Jerusalems gelegen, schneidet die einstige Wirtschaftsregion in zwei von einander getrennte Blöcke. Die einzige Verbindungsstraße beider Blöcke hat etwa die Größe einer kleineren Kreisstraße bei uns. Zudem steht jeglicher Personen- und Warenverkehr unter der Kontrolle des israelischen Militärs.

Trotz der Erlangung der Autonomie im Jahr 1995 haben die palästinensischen Behörden nämlich nur über 3% ihres Landes (vor allem die Städte) die tatsächliche Kontrolle.

Mit der Erlangung dieser Autonomie verbanden sich -vor allem im Blick auf die anstehende Jahrtausendwende- große Hoffnungen. Die UNESCO rief das Projekt "Bethlehem 2000" ins Leben. Große Investitionen wurden vor allem im Bereich der Infrastruktur (Straßenbau, Hotels, Stadtsanierung) getätigt. Rund 4 Millionen Besucher aus aller Welt wurden erwartet. Die Millenniumsfeierlichkeiten sollten "ein Meilenstein für die Kultur des Friedens im mittleren Osten" werden, heisst es in einem einheimischen Reiseführer des Jahres 1997.

Stattdessen kamen in Folge des Ausbruchs der 2.Intifada monatelange Ausgangssperren und ab dem Jahr 2002 die Errichtung der Sperranlage. Die gesamte Region wurde völlig isoliert, die Wirtschaft brach komplett zusammen. Der Tourismus ging im Jahr 2005 auf gerade einmal 20% der Zahlen aus dem Jahr 2000 zurück.

Die Arbeitslosigkeit liegt noch heute zwischen 25% und 30%. Die Errichtung dieser Mauer -von Israel als Sicherheitsmaßnahme bezeichnet- hat den Menschen Bethlehems einen Großteil ihres Landes geraubt. Etwa 55% der Bevölkerung lebt unter der von der UN gesetzten Armutsgrenze von 2 USDollar pro Tag.

Obwohl sich die wirtschaftliche Lage in den letzten Jahren allmählich erholt hat, hat sich an dieser schlechten Grundsituation nichts verändert.

So ist Bethlehem heute eine Stadt im Schatten der Mauer (s.3.Bild). Die Luft und der Raum zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ist ihr weitestgehend genommen. Das Problem der anhaltenden Abwanderung bleibt.

Mauer-und-Reihenhäuser

Mauer-und-Reihenhäuser

Das 4.Bild zeigt diese Situation eindrücklich. Die Hoffnung auf eine positive zukünftige Entwicklung ist klein, solange sich am Grundproblem der israelischen Besatzung und des andauernden Landraubes nichts ändert.

Future Fashion

Future Fashion

Future Fashion

Future Fashion, Ausschnitt

Diese Situation wird Palästina nicht aus eigener Kraft ändern können. Das Land und seine Menschen sind dabei auf die Hilfe von aussen angewiesen. Solche Unterstützung kann beispielsweise dadurch geschehen, dass Menschen dieses noch immer schöne Land besuchen, ihren Bewohnern Gehör für das schenken, was ihnen auf dem Herzen liegt. Und nicht zuletzt ihnen eine Stimme verleihen, die nicht aufhört auf das anhaltende Unrecht hinzuweisen.

 


1. Brief aus Bethlehem am 14.09.2009:

Das Bethlehem Bible College

( www.bethlehembiblecollege.edu)

"Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen;
und denen, die saßen am Ort und im Schatten des Todes,
ist ein Licht aufgegangen."
                                                                                      Mt 4,16

Das BBC wurde vor 30 Jahren von arabischen Christen in Bethlehem gegründet und ist bislang die einzige christliche Ausbildungsstätte in einem arabischen Land. Es hat zum Ziel arabische Christen auf ihren Dienst in den Gemeinden Palästinas vorzubereiten. Dies geschieht im Rahmen eines 4-jährigen Baccelor-Studienganges, der vom Kulturministerium Palästinas anerkannt ist (vergleichbar wohl unseren Bibelschulen in Deutschland). Das BBC hat jeweils einen Aussenort in Nazareth und in Gaza.

Aussenansicht BBC

Aussenansicht BBC

Letzte Woche hat für die etwa 30 jungen Leute - Männer und Frauen - das neue Semester begonnen. Sie kommen aus dem vielfältigen kirchlichen Hintergrund, den es hier in Palästina gibt: orthodoxe, protestantische und katholische Gemeinden.

Der Unterricht findet auf arabisch statt und wird von verschiedenen Lehrern erteilt, die ihre theologische Ausbildung meist auf einem englischen oder amerikanischen College erhalten haben.

Unterrichtsfächer sind Englisch, Landeskunde, biblische Archäologie, Altes und Neues Testament und systematische Theologie. Hier liegt der Schwerpunkt auf den Themen, die sich aus der besonderen aktuellen Situation ergeben: Friedens- und Versöhnungsarbeit.

"In diesem Land, in dem Hoffnung und Verzweiflung wie Schwestern sind, bildet das BBC palästinensische Christen aus, um ihre Kirche leiten zu können und ein Licht zu sein für ihre christlichen und moslemischen Nachbarn", heisst es in dem Flyer des BBC.

Die meisten Studenten wohnen während der Woche hier im BBC und sind nur am Wochenende zuhause.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung werden sie in ihren Gemeinden als Gemeinde- oder Jugendleiter arbeiten, in der Seelsorge tätig sein oder auch in einem anderen Beruf.

Die Ausbildung wird durch ein gemeinsames geistliches Leben ergänzt. So beginnt jeder Tag (Montag-Freitag) um 8.00 mit einer gemeinsamen Andacht. Dazu versammeln sich alle Mitarbeiter - von der Putzfrau über die Angestellten der Verwaltung bis hin zu den Lehrern. Sie gestalten auch abwechselnd diese Andacht. Ich liebe vor allem ihre arabischen Lieder, die sie laut und gerne singen.

Andacht

Morgenandacht

Um 13.00 isst man gemeinsam in der Mensa ein einfaches aber gutes arabisches Essen.

Neben dieser ursprünglichen Aufgabe haben sich im Verlauf der letzten Jahre noch verschiedene andere Arbeitszweige im BBC entwickelt.

 

1. Tour guide program

Hier werden Christen zu Reiseführern ausgebildet, die auf kompetente und originäre Weise die biblischen Stätten ihrer Heimat zeigen können. Daneben führen sie auch eindrücklich in die aktuelle politische Situation des Landes ein.

 

2. Das Gästehaus

Es verfügt über insgesamt etwa 25 Betten und beherbergt Gruppen und Individualreisende aus der ganzen Welt. Im Moment bewohne ich dort ein geräumiges Doppelzimmer und genieße immer wieder die schöne Aussicht aus der rundum verglasten Küche im 3.Stock.

Hier waren wir auch mit unserer kleinen Reisegruppe im vergangenen Jahr für drei Nächte zu Gast und werden es 2010 ebenfalls wieder sein.

 

3. Mass Media Center

Es bildet junge Menschen im Bereich der öffentlichkeitsarbeit aus. Das Zentrum (es besteht aus 3 kleinen Räumen sowie einem Aufnahmestudio) produziert eine wöchentliche christliche Sendung, die dann hier in der Region ausgestrahlt wird.

 

4. öffentliche Bücherei

Die einzige in Bethlehem, die neben theologischen Büchern auch allgemeine Literatur in arabischer und englischer Sprache zur Ausleihe anbietet. Sie beinhaltet eine eigene Abteilung für Kinder und natürlich auch einen Computerraum.

 

5. Die Shepherd Society

Das ist der diakonische Arm des BBC. Durch die äusserst angespannte wirtschaftliche Lage in der Region - verursacht durch die israelische Besatzung und die Folgen der Intifada - wurde dieser Zweig Mitte der 90er Jahre gegründet. Der Name geht auf Johannes 21,16 zurück, wo Petrus aufgefordert wird, für seine Schafe zu sorgen.

Das Hilfsangebot umfasst die Verteilung von Lebensmitteln und medizinische Hilfe. So konnte etwa ein Hals-Nasen-Ohren Behandlungsraum in einer Klinik im benachbarten Beit Jala eingerichtet werden.

Auch ein Arbeitsvermittlungsprogramm wird betrieben, was bei der hohen Arbeitslosigkeit von ca. 25% dringend nötig ist.

 

Finanziert wird dieser Arbeitsbereich- wie die anderen weitestgehend auch- vor allem durch Spenden von ausserhalb, zumeist aus Amerika und England.

Die Menschen hier am BBC bezeichnen sich gerne als die "lebendigen Steine", die die historischen Stätten am Leben erhalten und mit Leben erfüllen. Sie verstehen sich dabei als Hoffnungsträger des Lichtes, das vor 2000 Jahren hier in Bethlehem zu scheinen begann. Dieses Licht wollen sie leuchten lassen an dem Ort, der heute im Schatten des politischen Konfliktes und hoher Verluste steht.

Nach meinem Empfinden tun sie das auf sehr überzeugende und liebenswerte Art und Weise.