75 Jahre Dekanat Rosenheim, Teil 3

Pasing - Traunstein - Rosenheim? oder: ein Dekanat wird gegründet

"Da ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch endlich an die Sonnen" - so fasst am Ende (1933) einer der Hauptinitiatoren der Dekanatsgründung, der Rosenheimer Oberlehrer Weber, die taktischen Schachzüge bei der Entstehung des neuen Dekanats zusammen. Was war geschehen?

Seit dem 24. Dezember 1914 gehörten alle Gemeinden in Südostoberbayern zu dem von König Ludwig III gegründeten Dekanat München II mit Sitz in Ingolstadt.

Schon bald aber wurde deutlich, dass nicht nur die großen Entfernungen, sondern auch die ständig wachsende Zahl von Evangelischen eine weitere Aufteilung in kleinere Dekanate erforderlich machten. So verdichteten sich 1928 die Pläne einer neuen Dekanatsgründung östlich von München.

Und nun kamen sehr schnell auch die handelnden Personen mit ihren Interessen ins Spiel. Und "ganz zufällig" wohnte der geheime Rat Rohmer, Präsident der Landessynode, in der immer wieder als Dekanatssitz genannten Stadt Traunstein.

Schnell wurden die Rosenheimer evangelischen Honoratioren im Münchner Oberkonsistorium vorstellig und bewiesen anhand einer selbst gezeichneten Karte, dass Rosenheim den zentralen Knotenpunkt aller Verkehrswege für die Erreichbarkeit der Kirchengemeinden darstelle, während Traunstein doch "gänzlich unbedeutend am Rande" läge.

Kirchenpräsident Veit und Kreisdekan Baum waren ob dieses Vorstoßes wenig erfreut und zitierten Oberlehrer Weber und den damaligen Rosenheimer Bürgermeister Dr. Kreuter zum Gespräch nach München. Doch ließen sich die Rosenheimer nicht einschüchtern, sondern wiesen daraufhin, dass sie im Falle einer Neugründung eines Dekanats Traunstein dann lieber beim Dekanat in Ingolstadt blieben.

Bald wurde auch im Oberkonsistorium klar, dass ein Dekanatssitz Rosenheim sich doch mehr anböte als die weiter abgelegene Stadt Traunstein. Allerdings stand der damalige Pfarrer Schott kurz vor seiner Pensionierung. So beschloss man, diesen Zeitpunkt abzuwarten.

Nun war Franz Schmid, der eigentlich als Traunsteiner Pfarrer Dekan hätte werden sollen, inzwischen mit dem Dekansposten in Neu-Ulm betraut worden. Schmid aber fühlte sich dort nicht wohl, und so wurde er, als Pfarrer Schott überraschend starb, 1932 nach Rosenheim geschickt mit dem Auftrag, die Neugründung des Dekanats Rosenheim vorzubereiten.

Am 29. Januar 1933 um 3 Uhr nachmittags wurde Franz Schmid feierlich als erster Dekan des zum 1. Januar 1933 gegründeten Dekanats Rosenheim eingeführt.

Zu seinem Dekanat gehörten 1933 die Pfarreien Bad Aibling, Berchtesgaden, Burghausen, Erding, Großkarolinenfeld, Miesbach, Mühldorf, Bad Reichenhall, Rosenheim, Bad Tölz und Traunstein mit insgesamt rund 10.300 Gemeindemitgliedern.

Als nach 1945 die Gemeinden durch den Zuzug evangelischer Flüchtlinge immer größer wurden, erschien eine erneute Dekanatsteilung sinnvoll. So entstand 1948 der Dekanatsbezirk Traunstein mit den Gemeinden östlich des Chiemsees. 1997 wurde dann der südwestliche Teil des Dekanatsbezirks Rosenheim zusammen mit einigen Gemeinden des Dekanats Weilheim zu einem eigenen Dekanat Bad Tölz.

Heute umfasst der Dekanatsbezirk Rosenheim 15 Kirchengemeinden mit rund 50.000 Gemeindemitgliedern.

Michael Grabow